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Institut - In-LUST / Derendorf, HSD, Campus, Münsterstraße, Anwohner_innen, FB Architektur, FB Sozial- und Kulturwissenschaften
15/05/2020

Raus­ aus der­ Hochschule,­ rein­ ins Viertel

​​​Was aus einem Seminar werden kann…

Im WS 2019/2020 fand ein interdisziplinäres Seminar der Fachbereiche Architektur und Sozial- und Kulturwissenschaften statt.

Wie schon im Januar 2020 berichtet, wurde innerhalb des interdisziplinären Seminars Veränderungen rundum Derendorf von den Studierenden aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick genommen, die durch den Zuzug der Hochschule und durch andere strukturelle Veränderungen in Gang gesetzt wurden und werden. In diesem Zusammenhang zeigten die Studierenden in interdisziplinären Gruppen ihre ausgearbeiteten Konzepte, welche auf den Ergebnissen der Zwischenpräsentation Anfang Dezember aufbauten.

Die Konzepte beschreiben unterschiedliche Möglichkeiten, wie Veränderungsprozesse sichtbar gemacht werden können. Dabei reichen die gezeigten Ideen von Veranstaltungsreihen über ein Daumenkino bis hin zu Installationen im Stadtraum. Weitere zentrale Ergebnisse des Seminars betreffen die bisher von Studierenden kaum genutzten nahräumlichen Angebote. Der Verbleib ist auf Seminarzeiten und Zeit in der Bibliothek reduziert. Die Studierenden haben jedoch ein großes Interesse und das Bedürfnis nach Aufenthaltsmöglichkeiten im Nahraum der Hochschule, z.B. (bezahlbare) Cafés, Gastronomie… . Da im Nahraum kaum Kontakte zwischen den Bewohner_innen stattfindet, werden Orte der Gemeinschaft und des Kennenlernens benötigt.

Insbesondere die Partizipation von Bewohner_innen und Studierenden spielt bei den gezeigten Konzepten eine zentrale Rolle, um die Identifikation mit dem Stadtteil zu erhöhen und für die Eigenheiten und Nutzungsmöglichkeiten des Stadtteils zu sensibilisieren.

Wichtige Ziele der entwickelten Ideen sind, die Historie sowie die vorhandene Struktur des Stadtteils auf unterschiedliche Art und Weise sichtbar und somit für die Bewohner_innen und Nutzer_innen des Stadtteils auch zukünftig erlebbar zu machen.

Die Ergebnisse aus dem Seminar sind u.a. auch der Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner vorgestellt worden, welche zusammen mit der Bezirksvertretung 1 am 26. Mai 2020 eine große Stadtteilkonferenz für alle interessierten Derendorfer veranstalten wollte. Leider musste die Veranstaltung im Rahmen der Corona-Schutzmaßnahmen abgesagt werden.

Die Stadtteilkonferenz sollte zum Anlass genommen werden, die Derendorfer_innen mit den Studierenden weiter in den Austausch zu bringen.

Jetzt berichtete die WZ in einem Artikel darüber: LINK

Frau Prof. Anne van Rießen benennt den Kernpunkt des Seminars: „Die Studierenden kommen nach Derendorf, sie haben sich mit der Geschichte des Stadtteils beschäftigt. Jetzt wollen sie selbst hier Spuren hinterlassen. Denn Studieren ist mehr als ein Ankommen an der Hochschule und ein Wegkommen.“

Fragestellungen, welche sich aus dem Seminar entwickelt hatten, wie:
„Wie kann sich der Stadtteil durch den Zuzug der Hochschule auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes und der Brauerei Schlösser verändern?“,
„Wie kann die Aufenthaltsqualität für alle verbessert werden?“,
„Wie kann Derendorf sich im Sinne eines lebenswerten und umweltgerechten Stadtteiles weiterentwickeln?“… sollten diskutiert werden.
Etwa 50 im Rahmen des Seminars durchgeführte Interviews der Studentinnen Bianca Buchheister und Laura Petzold mit den Anwohner_innen, haben auch noch andere Aspekte und Ängste der Anwohner_innen zu Tage befördert:
Was passiert, wenn der Wohnraum knapper wird und die Mieten sich erhöhen?
Die Schließungen des Eiscafés, diverser Kneipen und das „nicht mehr Stattfinden“ ehemaliger Veranstaltungen sind weitere Bedenken der Anwohner.
Daher, so Prof. Anne van Rießen, müssen gerade neue gemeinsame Schnittstellen, wie Räume der Gemeinschaft, gefunden werden.
In der „Coronazeit“, in der die Studierenden sich im Online Studium und nicht am Campus befinden, wird gerade die weitläufige Campusfläche von Familien als Aufenthaltsfläche draußen entdeckt. Könnte hier solch eine neue Schnittstellen entstehen?
Weitere Vorschläge, welche u.a. von der Studentin Antonia Wilhelmus benannt wurden, um die Nachbarschaft zwischen Campus und Anwohner_innen weiter zu beleben, beinhalten z.B. den Ort des „alten Schlachthofes“ als Subkultur zu schützen, ein Café mit bezahlbaren Preisen für Studierende und Derendorfer_innen, die Organisation eines Straßenfestes auf der Ratherstraße oder eine Flohmarktinitiative.
Finanziell unterstützen könnte die Bezirksvertretung einen gemeinsamen Stadtteil-Flyer von Derendorfer Geschäftsleuten und der Hochschule.
 
Es wird ein neuer, spannender Weg begangen, welcher unter Mitwirkung aller Beteiligten ein weiterentwickeltes, verjüngtes Derendorf zum Ausdruck bringen könnte.

Die Zukunft liegt in der Hand jeder/s Einzelnen…